29. Oktober 2021

Gedanken zur Nacht – Acht Jahre

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Acht Jahre   

Im Alter von acht Jahren fragte mich meine Tochter des Abends, wie sie herausfinden könne, ob sie es mit einem klugen oder mit einem dummen Menschen zu tun bekommen hat. Was für eine Frage für ein achtjähriges Mädchen, erwartet man normalerweise eher etwas in Richtung von etwas Kindlichem, etwas, was von einer gewissen Einfachheit geprägt sei und nicht eine von Sinn erfüllte Frage, die so manch Erwachsener nicht einmal zu denken wagt.

Eine halbwegs zufriedenstellende Antwort darauf gegeben, folgte sogleich die Steigerung in Form einer fortführenden Frage, die noch weniger in das kindliche Schema von acht Jahren Reife zu passen schien. „Woran erkenne ich, wie klug ein Mensch ist, woran erkenne ich, wie hoch sein Wissenstand sich entwickelt hat?

Frei zitiert, verwendete sie einfachere Formulierungen, den Inhalt und dessen Gewicht, schmälerte ihre Wortwahl der Fragen dennoch nicht.

Meine Antwort auf ihre erste Frage, woran sie unterscheiden könne, es mit einem klugen oder dummen Menschen zu tun zu haben, bedurfte noch keiner großen Überlegungen, ergibt sich aus deren Inhalt, der Sinn von selbst. Im Grunde sehr einfach, so meine Einleitung – „ Achte darauf, wer viele Fragen stellt und achte auf jene, die keine Fragen stellen und achte bei letzteren darauf, ob sich diese selbst gerne reden hören.“ Es war ihr anzusehen, daß sie mit dieser Antwort ins Denken gekommen war und nach einer kurzen Weile folgte ihre zweite Frage – woran sie den Grad erkennen könne, wie klug jemand ist? Zugegeben, das hätte ich in der Form nicht erwartet und schon gar nicht spät am Abend, kurz vor dem Einschlafen.

„Sprichst du mit einem klugen Menschen, hast also bereits erkannt, das viele Fragen gestellt worden sind, dann achte stets auf eine exakte, wohlüberlegte Wortwahl, deren präzise Formulierung und dessen deutliche Aussprache. Achte ebenfalls darauf, ob derjenige auch wirklich eine Antwort auf seine Frage haben möchte, selbst wenn diese ihm nicht gefallen könnte, oder ob jener nur eine Bestätigung für seine Annahme, seinen Glauben oder sein zementiertes Weltbild erhalten möchte.“

Und wieder begann es in ihren Kopf zu arbeiten, die Synapsenblitze schlugen von einer Seite zur anderen, jedoch beließ sie es dann dabei, schien der Denkprozeß, der soeben in Gang gesetzt worden ist, die Müdigkeit zu potenzieren.

Ohne es zu bemerken, tat sie genau das, worauf ihre Fragen abzielten und gleichzeitig gab sie sich somit im Grunde die Antworten auf ihre Fragen selbst. Immer dann, wenn diese kleine Geschichte erzählt worden ist, war an den Gesichtern der Zuhörer deutlich, entweder eine Gesichtsentgleisung, oder ein erstauntes Aufhorchen zu bemerken, das bei letzteren ebenfalls einen Denkprozeß und ebenso eine Sensibilisierung zu erkennen gab, der schlußendlich auch in ihren Leben mit einzufließen begann. Mit anderen Worten, diese Menschen begannen noch genauer darauf zu achten, wie, in welcher Wortwahl und mit wem sie in ein Gespräch einzusteigen gedachten.

Es gibt eben doch dumme Fragen, gleichwenn ein altes Sprichwort anderes behauptet. Dient doch dieser simple Spruch doch nur für eines – sich seiner Worte nicht bemühen zu müssen, weder in der Antwort, noch in einer Frage. Erkennt man somit nicht nur einen geistigen Bodensegler an seinen Antworten, erkennt man ebenso diesen auch an seinen Fragen. Das alles hinter sich lassend, ist es von nicht geringerem Interesse, darauf zu achten – und nebenbei bemerkt, wird dies zunehmend schlimmer – daß nur noch sehr wenige Menschen wirklich eine echte Antwort auf ihre Fragen bekommen möchten. Von simplen Fragen nach dem Wohlergehen abgesehen, worauf auch nicht jeder wirklich eine ehrliche Antwort haben möchten, wenn sie diese überhaupt abzuwarten willens sind, möchten doch sehr viele Menschen kaum noch eine ehrlich formulierte Antwort erhalten, schmerzt doch jener mögliche Wahrheitsgehalt oft mehr, als ein Schweigen es vermag.

Insbesondere in diesen Tagen, einer Zeit der Antworten auf  nicht gestellte Fragen, wagen es nur wenige, wenn sie es denn können, eine ernstgemeinte Frage zu stellen und zugleich eine wahrhaftige Antwort darauf  zu erhalten, zu groß die Angst, daß eine Aussage erfolgen könnte, die ihr komplettes Weltbild zum einstürzen wird bringen können. Entweder werden Fragen aus reiner Neugier gestellt oder ebenso häufig, sich mit einer bestimmten Frage sich der sozialen Anerkennung des anderen gewahr zu sein. Bist du schon geimpft, geht dein Kind zur Schule, läßt du dich testen oder hast du schon deinen Urlaub gebucht? – Sind dies jene Fragen, die weder einer großen Denkleistung folgten, noch von einem echten Interesse an des anderen Einstellung künden, einzig die Absicht dahinter, womöglich einen weiteren Mitstreiter auf ihrem Wege finden zu können.

Ein Spaziergang in einem Minenfeld gleich, sind ernstzunehmende Frage – Antwort – Konversationen zu einer wahren Zitterpartie verkommen, trauen sich die einen nicht mehr, sich eine Frage zu erlauben, wagen es die anderen nicht (mehr), auf diese mit einer ehrlichen Antwort zu reagieren. Man belauert sich oder geht sich gleich ganz aus dem Weg. Immer tiefer bohrt sich die Fräse der Verlogenheit in die Eingeweide der Gesellschaft und schafft somit nicht nur oberflächlich quakende Menschen, nein sie produziert zum einen eingeschüchterte Kreaturen, die sich nun schon garnichts mehr trauen, zum anderen bringt diese Entwicklung wahre Lügner hervor, die lieber etwas sagen, von dem sie glauben, der andere möge das hören wollen oder durch einen Vollwaschgang ihres Hirnes, gänzlich von allem Blödsinn überzeugt zu sein scheinen.

„Kindermund tut Wahrheit kund“, sagt man und übersieht geflissentlich, daß gerade von den Kindern, insofern sie noch Kinder bleiben durften, noch eine Menge wird lernen können. Unvoreingenommen und völlig frei von Vorurteilen, stellen Kinder Fragen, für deren Antworten sie noch gänzlich offen sind. Sie sind die Klügeren dieser Gesellschaft, besitzen keine Wertungen, wollen wissen und beurteilen nicht, sie stellen Fragen mit dem Anspruch auf ehrliche Auskunft – was bitteschön ist so schwer daran, sich an den Kindern zu orientieren und es ihnen wieder gleich tun zu wollen? Kinder haben keine Angst – sie wird ihnen gemacht. Leider behalten sie diese durch das vorgelebte, oft verlogene Leben der Alten, bis ans Ende ihrer Tage und bekommen niemals mehr einen wahren Eindruck dessen, was echte Höflichkeit bedeuten kann.

Acht kurze Jahre der Reife, nur wenige Worte einer Frage mit so viel Gewicht, deren Sinnhaftigkeit so manch Klugscheißer auch sehr gut zu Gesicht stünde, wenn er denn die Schmach seiner Stumpfsinnigkeit erkennen könnte. Verzeiht die Pauschalität – Lehrer haben immer Recht, Ärzte und Anwälte ebenfalls, der Polizist, der Richter und die nette Pummelfee aus dem Bürgerbüro ebenso – stellen die sogenannten Experten schon lange keine Fragen mehr, lassen selbige sich nicht mehr antragen oder geben, wenn es denn schon sein muß, nur auswendig gelernte Floskeln von sich. Ein Kreislauf der puren Idiotie, legt so manches Kind den Finger tief in die klaffende Wunde, die mit so mancherlei Blödsinn abgedeckt werden möchte.

Frag echte Kinder, wie sie dich wirklich sehen und laß sie fragen nach deiner Ehrlichkeit, dann bekommst du womöglich nicht die Antwort, die du zu hören wünschest, doch jene, um die Not noch wenden zu können.

Herzlichst Ingo


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Bildung, Dummheit, Erziehung, Klugheit


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